Pflegekonzept




Wie wir den alten Menschen sehen

Der alte Mensch mit seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen und seiner Geschichte steht im Mittelpunkt unseres Handelns im Alten- und Pflegeheim Wiblingen. Er läßt sich nicht in Funktionen oder Körperteile untergliedern, sondern muß als ganzheitliches Wesen betrachtet werden. Die Philosophie der Einheit von Körper, Geist und Seele ist Grundlage unserer Arbeit. Jeder Mensch hat seine ganz spezielle Lebensgeschichte, die ihn zu einem individuellen Mitglied unserer Gesellschaft gemacht hat. Wir stellen uns der Einzigartigkeit und Verschiedenheit der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner. Wir holen den Menschen mit seinen Erlebnissen dort ab, wo er sich lebensgeschichtlich befindet. Nur auf Basis der "Vorgeschichte" einer Bewohnerin oder eines Bewohners kann eine sinnvolle und ausgeglichene Pflege stattfinden. Dies bedeutet, daß wir Wert darauf legen, daß der alte Mensch sich mit persönlichen Dingen umgeben kann und daß wir ihm ermöglichen, ihm wichtige Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Es darf nicht die Aufgabe von Pflegenden und Helfenden im Alten- und Pflegeheim sein, dem alten, bzw. kranken Menschen seine Selbstbestimmung abzunehmen. Der Bewohner und die Bewohnerin in unserem Hause bringen ihre eigene Person in den Pflegealltag mit ein und versuchen, unterstützt durch aktivierende Pflege, Selbstbewußtsein und Eigenständigkeit in möglichst hohem Umfang zu bewahren.

Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik besagt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Wir fühlen uns diesem Grundsatz verpflichtet. Vor allem im alltäglichen Prozeß des Sterbens begleiten wir den alten Menschen auf diesem Weg, der durch Angst, Trauer oder Resignation gekennzeichnet ist und bieten, unter Beachtung der menschlichen Würde und Individualität, unsere Hilfe an.


Warum die alten Menschen zu uns kommen

Mit dem Älterwerden nimmt die Anfälligkeit und die Zahl der Krankheiten und Beschwerden, mit denen Menschen belastet sind, drastisch zu. Spezifische Krankheitsbilder des alten Menschen wie Morbus Parkinson oder die präsenile Demenz vom Alzheimer-Typ werden mit zunehmender Häufigkeit diagnostiziert. Unter diesen Gesichtspunkten wird es für den Einzelnen bzw. die Familie des Kranken schwer oder unmöglich, die erforderliche Pflege sicherzustellen.

Die Menschen kommen daher aus den verschiedensten Gründen zu uns. Hierzu gehören sowohl die Hilfsbedürftigkeit bei anatomischen und physischen Fehlfunktionen aufgrund von Unfall, Alter oder Krankheit, als auch psychische Veränderungen, die durch den Verlust des Partners, des Freundeskreises sowie des Rückzugs der Kinder entstehen. Im letzteren Fall tritt bei vielen alten Menschen Isolation auf, die notwendigen Umgangsformen wie gemeinsame Spaziergänge, Kaffeerunden, Gesprächskreise und der Austausch von Informationen finden nicht mehr statt.

Damit führen sowohl physische als auch psychische Einschränkungen dazu, daß der alte Mensch nicht mehr in der Lage ist, sämtlichen Aktivitäten und existentiellen Bedürfnissen des täglichen Lebens nachzukommen. Er kann in unserem Haus in diesen Bereichen eine hilfreiche Unterstützung finden.

Unabhängig von individuellen Defiziten und Problemen bedingen zusätzlich gesellschaftliche Veränderungen, daß alte Menschen in unser Haus kommen. Auf eine Familie ausgerichtete Wohnungen und auch die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen machen es immer unwahrscheinlicher, daß mehrere Generationen gemeinsam leben. In dieser Situation können wir Menschen in unserem Alten- und Pflegeheim einen Platz geben, der ihr neues und vielleicht endgültiges Zuhause werden soll.



Welche Ziele wir mit unserer Arbeit verbinden


Oberstes Ziel der Betreuung alter und kranker Menschen im Alten- und Pflegeheim Wiblingen ist es, die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen zu erhalten und zu fördern.

Alten Menschen, die den Großteil ihres Lebens außerhalb unserer Einrichtung verbracht haben, und dieses Leben auch selbständig gestaltet haben, wollen wir es nicht zumuten, sich vollständig festgefügten Abläufen anzupassen. Unser Pflegealltag orientiert sich am Bewohner.

Es ist ein weiteres Ziel unserer Einrichtung, den Bewohnerinnen und Bewohnern den Umzug in unser Haus so einfach wie möglich zu machen. Die Konfrontation mit Sterben und Tod, der Ortswechsel und neue Mitmenschen führen viele Menschen in eine tiefe Krise. Unser Personal ist in dieser schweren Situation unterstützend tätig. Auch die Begleitung von Sterbenden und die Nachsorge mit trauernden Angehörigen ist ein weiteres und wichtiges Ziel unserer Einrichtung.


Wie wir diese Ziele erreichen

Der mit Abstand wichtigste Baustein bei der Erreichung dieser Ziele sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Hause. Sowohl ein hoher Anteil an geschultem und ausgebildeten Personal (50 %) als auch die Einhaltung der vorgegebenen Stellenschlüssel ist von uns von hoher Wichtigkeit. Dies betrifft auch die Leitungen der Wohn- und Pflegegruppen, die alle über eine entsprechende Leitungsausbildung verfügen oder diese anstreben. Doch neben solchen faßbaren Kriterien ist für uns bei der Auswahl des Personals vor allem die menschliche Haltung einer zukünftigen Mitarbeiterin oder eines zukünftigen Mitarbeiters entscheidend. Sie oder er muß sich zur Altenpflege "berufen" fühlen und mit Sensibilität und Freude mit dem individuellen, alten Menschen, arbeiten. Wir unterstützen diese Arbeit durch den Einsatz von Pflegehilfsmitteln wie Liftern, Hubbadewannen oder Rollatoren und stellen zusätzlich über eine enge Kooperation mit den örtlichen Krankenkassen die Versorgung mit andere Pflegehilfsmitteln sicher.


Wie wir die Qualität unserer Arbeit sicherstellen


Es ist für uns von unverzichtbarer Bedeutung, den alten Menschen nicht nur umfassend zu pflegen, sondern hierbei auch einen hohen Qualitätsstandard fortlaufend sicherzustellen. Wir haben eine Vielzahl von Strukturen und Abläufen geschaffen, die diese Qualitätssicherung gewährleisten. Hierzu gehören neben der Auswahl und dem Einsatz von qualifiziertem Personal auch die Durchführung von regelmäßigen Fortbildungen im medizinischen, pflegerischen Bereich sowie auf dem Gebiet der Freizeitgestaltung. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Altenpflegeschulen und die Mitarbeit von Schülerinnen und Schülern der Altenpflege in unserem Hause führen dazu, daß neueste Erkenntnisse und Ideen in den Pflegealltag eingebracht werden und dass ein reger Gedankenaustausch stattfindet.

Wir unterstützen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit durch gemeinsam erarbeitete Pflegestandards, um sicherzustellen, dass, vor allem im Sinne der Bewohnerinnen und Bewohner, Pflege im richtigen Umfang, mit den richtigen Mitteln und zur richtigen Zeit durchgeführt wird. Neben Pflegestandards schaffen auch Stellenbeschreibungen, die in unserem Haus erarbeitet wurden und die das Arbeitsfeld von angelernten und ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abstecken, klare Strukturen und Zielvorgaben.

Unverzichtbar im System unserer Qualitätssicherung ist die Pflegedokumentation. In ihr sind die Fähigkeiten und Probleme, die Biographie des jeweiligen Bewohners und der jeweiligen Bewohnerin verzeichnet und hierin wird ebenfalls im täglichen Ablauf festgehalten, welche Beobachtungen gemacht wurden, welche Anordnungen erlassen wurden und welche pflegerischen Maßnahmen durchgeführt wurden. Um unser Pflegepersonal im täglichen Bemühen um Qualitätssicherung nicht allein zu lassen, werden durch die Pflegedienstleitung unseres Hauses regelmäßig Pflegebesuche bei jeder einzelnen Bewohnerin und jedem einzelnen Bewohner durchgeführt. Hier können positive und negative Aspekte der Pflegearbeit kontinuierlich erfaßt werden und notwendige Korrekturen vorgenommen werden. Auch die Arbeitsabläufe werden so ständig auf ihre Aktualität und Zielgerechtigkeit hin überprüft und, soweit nötig, in Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern modifiziert.

Beim Einzug in unser Haus und in regelmäßigen Abständen wird von verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der jeweiligen Wohn- und Pflegegruppe eine individuelle Pflegeplanung erstellt. Nur durch die spezifische Analyse der Bedürfnisse und Fähigkeiten des jeweiligen alten Menschen und durch die Entwicklung genauer planerischer Vorgaben kann die notwendige Struktur und Qualität in der Pflegearbeit sichergestellt werden.

Ein wichtiger Qualitätsaspekt in unserer Arbeit ist auch die Einbeziehung der Erfahrungen und Kenntnisse der Angehörigen in die Pflege des alten Menschen. Die Familie und der engere Freundeskreis kennen die Gepflogenheiten der zu Pflegenden sehr genau, die wir gerne und umfangreich in unserer Pflege berücksichtigen.

All die beschriebenen Strukturen, Abläufe und Zielvorgaben können jedoch nur als Basis dienen. Die Qualifikation der einzelnen Pflegekraft und die Erfahrung über das Miteinander von Bewohnerinnen, Bewohnern und Personal gestalten den Tagesablauf und sichern die Qualität. Dabei bleibt die Individualität der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner der Grundgedanke unseres Handelns.

Jede Person, die in unserem Hause Aufnahme sucht und findet, darf sich als ganzer Mensch angenommen und willkommen fühlen.

Der Bewohner und die Bewohnerin steht im Mittelpunkt unseres Tuns und Handelns. Seine und ihre Zufriedenheit ist der Maßstab unserer Arbeit.

Pflegemodell

Das Alten- und Pflegeheim Wiblingen hat sich zum Ziel gesetzt, alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen ein neues Zuhause zu bieten, in dem die Achtung der Würde und der Individualität gewahrt wird. Entsprechend der Pflegestufe wird die Pflege und Betreuung auf die einzelnen BewohnerInnen abgestimmt. Dabei werden die Wünsche der BewohnerInnen besonders berücksichtigt. Die Lebensgeschichte/Biographie ist wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

Das Konzept der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) und der Aktivitäten und Existentiellen Erfahrungen des Lebens (AEDL) sind unsere pflegerischen Leitgedanken. Sie dienen zur Erfassung der tatsächlichen Bedürfnisse und Ressourcen unserer BewohnerInnen, die es zu stützen und zu fördern gilt. Sie umfassen den ganzen Menschen. Ganzheitliche Pflege gehört zur Zielsetzung unseres Hauses, dabei sind wir bei unserer Arbeit auf die Unterstützung von Angehörigen, Ärzten, Seelsorgern, Krankengymnasten, Ergotherapeuten usw., angewiesen.

Für jeden Bewohner wird eine individuelle Pflegeplanung erstellt. Dabei stärken wir die Eigenverantwortung der BewohnerInnen und unterstützen sie nur dort, wo sie aus eigener Kraft nicht selber handeln können.