Eine kleine
Geschichte des
Klosters Wiblingen
erzählt von einer ehemaligen Bewohnerin im Alten- und Pflegeheim Wiblingen


Im Jahr 1093 wurde das Benediktinerkloster Wiblingen von den Grafen von Kirchberg gestiftet.

Unruhige Zeiten folgten:
1524 Bauernkrieg, 30 jähriger Krieg, 1633 die Schweden in Ulm, Hungersnot und Pest im Kloster. 1646 - die Schweden steckten alles in Brand. Der Abt Benedikt wurde gefangen, aber die protestantischen Ulmer lobten ihn und er wurde freigelassen. Nach dem Westfälischen Frieden am Ende des 30 jährigen Krieges kehrte der Abt zurück. Da die Grafen von Kirchberg als Schutzvögte von Wiblingen sich zu viele Eingriffe erlaubten, beantragte der Abt Maurus 1684 bei der österreichischen Regierung den Ausscheidungsprozess. Damit wurde das Kloster ein eigener, unmittelbar unter Österreich stehender Mediatsstand. Nachdem 1702 Bayern und Franzosen die Mönche vertrieben und Ulm besetzten, aber schließlich kapitulierten vor Kaiser und Reich, kehrten die Mönche zurück und es kamen ruhige Zeiten.


Damit beginnt die für uns noch sichtbare und interessante Geschichte unseres Hauses:
1730 wurde der Grund zum jetzigen Kloster gelegt. 1744 wurde der Bibliothekssaal ausgestattet. 1750 der Grundstein zum neuen Klausurgebäude, dem Ostflügel (Richtung Wiese, Wald), gelegt. An dieses anschließend folgte 1759 ein Drittel des Südflügel (Richtung Park und Teich). 1770 wurde der Grundstein zur Klosterkirche, der heutigen Basilika, gelegt. Die restlichen zwei Drittel des Südflügels und der Westflügel, wo sich heute der Haupteingang befindet, wurden erst im Jahr 1917 von der damaligen Heeresbauverwaltung errichtet und dabei im Äußeren dem Barockstil der alten Klausur angeglichen. Die heutige Klosterkirche wurde 1781 eingeweiht, nachdem der Bau Unsummen verschlungen hatte und zum Ausbau der Türme kein Geld mehr vorhanden war. 1780 war die österreichische Landesmutter der Wiblinger Mönche, Maria Theresia, gestorben. Ihr Nachfolger, Kaiser Joseph II., führte strenge Neuerungen ein. So mussten z.B. alle Kleriker an österreichischen Universitäten studieren. Die französische Revolution schlug ihre Wellen bis nach Wiblingen. 1793 wurden die plündernden Franzosen von den Österreichern geschlagen. 1797 wurden die Ökonomiegebäude österreichisches Feldspital. Trotz der schlimmen Zeiten wurde viel gebaut, aber zum Ausbau der Türme reichte es nicht mehr.
1800 erfolgte die Besetzung durch die Franzosen und die Säkularisierung der Klöster. Nach der für Österreich unglücklich ausgefallenen Schlacht bei Austerlitz diktierte Napoleon 1805 den Frieden zu Preßburg. Wiblingen wurde dem König von Bayern zugesprochen. Dem Abt in München wurde zuerst versprochen, dass das Kloster weiter bestehen dürfe, aber 1806 wurde dies aufgehoben und Wiblingen an Württemberg abgetreten. Kaiser Franz von Österreich schenkte dem Abt die Benediktinerabtei Tiniez in Polen und die Patres wurden auch Professoren an der Universität Krakau. 1807 bestimmte König Friedrich I., das ehemalige Kloster zur Residenz für seinen Bruder, Herzog Heinrich, der 1808einzog und seine Reiterei, 120 Mann aus Ludwigsburg, mitbrachte. Von jetzt an durften die Leute unter Geldstrafe nicht mehr "Kloster" sagen, sondern "Schloß".

Danach folgten etwa 100 Jahre Kasernenzeit, während dieser Zeit, 1916/1917, also mitten im 1. Weltkrieg, wurden der restliche Südflügel und der Westflügel erbaut. 1945-1965 wurde das Klausurgebäude Notunterkunft für Ulmer Bombengeschädigte, der Südflügel wurde Alten- und Pflegeheim Wiblingen der Stadt Ulm.