Alten- und Pflegeheim

Wiblingen

 

Betreuungskonzept im Alten- und Pflegeheim Wiblingen

 

 

Seit 2003 hat das Alten- und Pflegeheim Wiblingen ein segregatives Betreuungskonzept umgesetzt. Dieses Konzept wird nicht mehr aufrechterhalten, da der Betrieb im Kloster Wiblingen aufgegeben und in der Trägerschaft der Pflegeheim GmbH Alb-Donau-Kreis im Seniorenzentrum Wiblingen fortgeführt wird. Zum einen ändern sich die Räumlichkeiten und zum anderen die Konzeption. Im Seniorenzentrum Wiblingen wird das Hausgemeinschaftsmodell umgesetzt, was eine integrative Betreuung zu Grunde legt. Mit der Reduzierung der Platzzahl wird bereits im Alten- und Pflegeheim Wiblingen mehr und mehr eine integrative Betreuung angestrebt.

 

Seit 2008 erhalten BewohnerInnen mit erheblichem Bedarf an allgemeiner Betreuung einen Vergütungszuschlag nach § 87b SGB XI (entspricht § 43b SGB XI). Zum 01.01.2015 wurde der Anspruch auf zusätzliche Betreuung auf alle Pflegeheimbewohner ausgeweitet. Diese Betreuung ist gesondert nachzuweisen und personell auszustatten.

 

Die bisherigen Kriterien zur Wohngruppenbildung werden mit Reduzierung der Platzzahl und in Vorbereitung auf den Umzug und die Betriebsüberführung nicht mehr angewendet.

 

 

1.    Ziele und Zielgruppe der Aktivitäten und Betreuung

 

Die Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, die Kommunikation mit anderen Menschen zu fördern, die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen, den Alltag mit sinnlichen Erfahrungen anzureichern, den Tag zu strukturieren, Halt zu geben und Wertschätzung zu vermitteln. Fähigkeiten der BewohnerInnen werden gefördert und Alltagsaktivitäten unterstützt. Dies trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

 

Das Alten- und Pflegeheim Wiblingen setzt die zum 01.01.2015 in Kraft getretene Gesetzesänderung des § 87b SGB XI (entspricht § 43b SGB XI) im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes um. Dies beinhaltet eine Ausweitung der Leistungen auf alle BewohnerInnen. Zusätzliche Betreuung und Aktivierung bleibt nicht mehr denjenigen mit eingeschränkter Alltagskompetenz vorbehalten, sondern erstreckt sich auf alle BewohnerInnen, die vollstationär oder als Kurzzeitpflegegast im Alten- und Pflegeheim Wiblingen betreut werden.

 

 

2.    Das Betreuungsteam

 

Die Aktivierung und Tagesgestaltung wird durch ein Betreuungsteam sichergestellt. Für die BewohnerInnen wird Personal nach dem vereinbarten Schlüssel 1:20 vorgehalten. Über den vereinbarten Personalschlüssel hinaus sind weitere Betreuungsmitarbeiterinnen angestellt, durch diesen kombinierten Personaleinsatz haben wir die Möglichkeit:

 

 

Das Betreuungsteam arbeitet wechselnd auf allen Wohngruppen. Einerseits wird damit personelle Kontinuität für die BewohnerInnen sichergestellt, andererseits verhindert dies eine Überbelastung, wie sie bei Dauereinsatz auf den Wohngruppen mit schwer demenzkranken Menschen möglicherweise entstehen würde.

 

Die Anforderungen an Betreuungskräfte sind in der Richtlinie zum § 43b SGB XI beschrieben und sollen hier nicht wiederholt werden. Die fachliche Qualifikation, die langjährige Erfahrung und die hohe persönliche Kompetenz dieser MitarbeiterInnen stellt eine fundierte Arbeit sicher.

 

Sie erhalten jährlich mindestens 16 Stunden Fortbildung zu aktuellen Themen und bei Bedarf Supervision; sie nehmen an hausinternen Schulungen teil und werden auch extern zielgerichtet weitergebildet. So wird das Wissen ständig aktualisiert und die berufliche Praxis reflektiert.

 

 

3.    Die Aufgaben der Betreuungskräfte

 

Die Aufgaben der Betreuungskräfte sind sowohl Einzel- und Gruppenaktivierungen als auch Ansprechpartnerin für BewohnerInnen im Alltag zu sein. Die Aktivierungen orientieren sich an ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben, der Biografie sowie an dem jeweiligen Befinden bzw. Tagesform und unterscheiden sich so von Wohngruppe zu Wohngruppe. Eine Auswahl an möglichen Alltagsaktivitäten ist in der Richtlinie zum § 43b SGB XI beschrieben.

 

 

4.    Die verschiedenen Formen der Betreuungsangebote

 

Für die BewohnerInnen werden Betreuungsangebote in vier unterschiedlichen Ausprägungen angeboten, die sich an den unterschiedlichen Fähigkeiten, Ressourcen und Interessen orientieren.

 

Gruppenangebote in der Wohngruppe

Dies sind zunächst Aktvierungs- und Betreuungsangebote, die in der Wohngruppe stattfinden werden. Die Aktivierung und Mobilisation der BewohnerInnen ist eine wesentliche Zielsetzung der Wohngruppe, sowohl durch verschiedene Formen der Beschäftigung wie durch eine gezielte Anregung und Übung von Maßnahmen zur Selbsthilfe bei alltäglichen Verrichtungen. Die Wohngruppe versteht sich dabei nicht als rehabilitative Einrichtung. Die BewohnerInnen sollen hier ihren Alltag verbringen und genießen können. Aktivierung und Mobilisation tragen dazu bei, eine möglichst selbständige Lebensführung herbeizuführen und zu erhalten.

 

Die körperliche und geistige Mobilisation ist ein Grundsatz bei allen Tätigkeiten und Beschäftigungen. Den BewohnerInnen sollen keine Tätigkeiten abgenommen werden, die sie – unter Berücksichtigung ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit und Individualität – ganz oder teilweise selbst erledigen können.

 

Es werden bspw. folgende Aktivitäten durchgeführt:

-     Aufbau von Gewohnheiten und Alltagsritualen

-     Ball- und Bewegungsübungen bzw. – spiele

-     Gesellschaftsspiele

-     Aktivierung der Wahrnehmung (Spielen, Tasten, Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören)

-     Singen

-     Kreative Beschäftigungen

-     Übungen zur Orientierung (zeitlich, räumlich, persönlich, situativ)

-     Gedächtnistraining, Gespräche über die Vergangenheit und Gegenwart

 

Die Betreuungskraft als Anlaufpunkt im Alltag

In den Wohngruppen, in denen Menschen mit dementiellen Veränderungen leben, stellt die Betreuungskraft den Anlaufpunkt im Alltag dar. Dies vermittelt Sicherheit und Geborgenheit. Ein wichtiger Bestandteil ist hier auch auf die persönlichen Probleme und Sorgen der BewohnerInnen einzugehen. Die Betreuungskräfte achten daher in besonderer Weise auf die Befindlichkeiten der BewohnerInnen, auf ihre emotionale Verfassung und diesbezüglichen Veränderungen. Sie versuchen in Gesprächen mit ihnen, wie auch mit den Angehörigen, mehr über persönliche Hintergründe und die Biografie in Erfahrung zu bringen – sofern sie hierzu bereit sind. Damit kann ein tieferes persönliches Verständnis für die Bewohnerinnen und Bewohner erarbeitet werden.

 

Im persönlichen Gespräch nehmen die Betreuungskräfte Anteil an den Sorgen der BewohnerInnen, sie sind empathisch und zeigen Verständnis. Je nach Situation versuchen sie, diese zu beraten und Hilfestellung für die Bewältigung ihrer Probleme zu geben. Gegebenenfalls holen sie weitere Information für eine Klärung ein oder versuchen, bei Konflikten zu vermittelt.

 

Ein Schlüssel zum Verständnis der BewohnerInnen ist die Annahme, dass sie in ihrem Erleben und Verhalten auf Bilder und Vorstellungen aus ihrer Vergangenheit zurückgreifen, um sich ihre Situation zu erklären und damit umzugehen. Die Kenntnis ihrer Lebensgeschichte erlaubt es daher, den Betreuenden und sein aktuelles Verhalten besser zu verstehen.

 

Lebensgeschichte meint hier zunächst nicht die ganz privaten und intimen Erfahrungen – es bleibt den BewohnerInnen überlassen, wie weit er sich öffnen möchte. Es geht vielmehr darum, sich mit den Lebensumständen, den kulturellen Normen und der Zeit, in der der Bewohner aufgewachsen ist, auseinander zu setzen und Vertrautes kennen zu lernen (Familie, Ort und Herkunft, Zeitgeist, Rituale). Methoden sind z.B. die Aufbereitung von gemeinsamen Erfahrungen aus vergangenen Zeiten in der Wohngruppe oder auf Biografie-Erhebungsbögen und Pflegebeobachtungen.

 

Es sind Situationen zu schaffen, in denen sich die BewohnerInnen widerfinden können und ihre Wünsche und Bedürfnisse aufgehoben sehen. Im Gegenzug ist eine Überforderung und Orientierung an kognitiven Defiziten zu vermeiden. Tagesstrukturen sind daher so zu gestalten, dass sie sich an deren Gewohnheiten ausrichten. Beschäftigungs- und Arbeitsangebote sollen sich ebenfalls an vertraute Tätigkeiten orientieren und werden situativ angepasst.

 

Einzelbetreuung

Wenn z.B. wegen Bettlägerigkeit, besonderer Unruhe, herausforderndem Verhalten oder bei einer sonstigen emotionalen Bedürfnislage eine Teilhabe an einem Gruppenangebot nicht angezeigt ist oder wenn BewohnerInnen dies ausdrücklich ablehnen, werden passende Einzelbetreuungen an mindestens 3 von 7 Tagen pro Woche geplant und angeboten: z.B. Einzelbetreuung im Zimmer, regelmäßige gezielte Ansprache über den Tag verteilt, besondere Zuwendung bei der Einnahme der Mahlzeiten oder während der Mittagsruhe der anderen BewohnerInnen, Anbieten spezieller Tast- und Greifmaterialien und weitere Anwendungen aus dem Bereich der basalen Stimulation. Bei Bedarf finden Fallbesprechungen gemeinsam mit dem Pflegeteam statt, bei denen gemeinsam eine geeignete Form der Tagesgestaltung erarbeitet wird.

 

Wohngruppenübergreifende Angebote

Viele kulturelle Angebote und Kontakte sind darüber hinaus in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen MitarbeiterInnen möglich. Die Aufgabe des Betreuungsteams besteht dann darin, diese Veranstaltungen gegebenenfalls zu koordinieren und zu begleiten. Das Alten- und Pflegeheim Wiblingen hat einen sehr aktiven Förderverein, der mit regelmäßigen Angeboten das Leben im Haus bereichert.

 

Für alle Wohngruppen werden zentral Betreuungsangebote unterschiedlichster Art angeboten, dies sind z.B.:

-     Gottesdienste, Dia-Vorträge, Musik- und Gesangskonzerte, gemeinsames Singen, Gesprächskreis, Ausflüge, Tanztee

-     Gymnastik, Gedächtnistraining, Krafttraining zur Sturzprophylaxe, Kreativ-Gruppe, Handarbeitsrunde, wöchentliche Rollstuhlausfahrten von April bis September

 

Die verschiedenen jahreszeitlichen Feiern wie Fasching, Sommerfest oder Weihnachtsfeiern werden gemeinsam veranstaltet, Angehörige werden dazu eingeladen. Ebenso werden jahreszeitlich strukturierte Abläufe in den Alltag mit aufgenommen, wie z.B. Gartenvorbereitungen im Frühjahr, viel Zeit im Freien im Sommer, Weihnachtsbäckerei in der Adventszeit etc. und die Wohngruppen werden dementsprechend gemeinsam gestaltet.

 

 

5.    Organisation und Dokumentation

 

Wenn eine BewohnerIn einzieht, werden im Rahmen der Pflegeanamnese nach Krohwinkel unter anderem Informationen über die Lebensbereiche „sich beschäftigen“ und „soziale Bereiche des Lebens“ erhoben. Außerdem wird im Biografiebogen erfragt, wie derjenige seine Freizeit verbracht hat. Die Informationen werden vom Pflege- und Betreuungsteam gemeinsam gesammelt. Das Betreuungsteam setzt diese Informationen dann in gezielte Aktivierungs- und Tagesstrukturierungsangebote für die jeweilige BewohnerIn um. Dies erfolgt in der Pflegeplanung.

 

Die Pflegeplanung wird alle drei Monate auf Aktualität überprüft und ggf. überarbeitet. Dabei wird ausgewertet, welche Aktivitäten der BewohnerIn zusagen und welche nicht. Zur Auswertung werden folgende Kriterien herangezogen:

 

 

 

Die Planung der Aktivitäten erfolgt lang-, mittel- und kurzfristig:

 

§  Regelmäßige Angebote sind dem Monatsprogramm zu entnehmen (z.B. Gottesdienst, Gedächtnistraining, Männer- und Frauenrunde, Singen, Rollstuhlausfahrt im Sommer)

§  Feste und Feiern werden über die Präsenzkräfteleitung in Zusammenarbeit mit der Leitung Betreuungsteam und dem Förderverein geplant (z.B. Fasching, Sommerfest, Oktoberfest, Adventsfeier). Die Planung erfolgt jeweils zum Jahresende für das Folgejahr.

§  Kurzfristigere Veranstaltungen (z.B. Gartenparty, Dia-Vorträge, Konzerte, Tanztee usw.) werden im monatlichen Programmheft bekannt gegeben.

§  Für die Tagesgestaltung und die Gruppenangebote auf den Wohngruppen gibt es Wochenpläne und Tagespläne. Diese Pläne werden gegebenenfalls situativ angepasst(siehe auch beigefügte Anlagen)

 

 

Die Dokumentation der Teilnahme an Angeboten erfolgt auf den Wohngruppen täglich über Bewohnerlisten (siehe Anlage 2). Dabei wird erfasst, ob bei einem Angebot eine aktive oder passive Teilnahme möglich war. Einzelbetreuung wird ebenfalls in dieser Liste erfasst. Für die Gruppenangebote „Gedächtnistraining/Gymnastik“, „Kreativ-Gruppe“ und Sturzprophylaxentraining bestehen gesonderte Teilnahmelisten. Die Teilnahme an Angeboten des Fördervereins findet nach Möglichkeit auch Eingang in die Dokumentation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlage 1

 

Dokumentation der Betreuung

 

                                  vormittags         O   

WG ….                       nachmittags    O    Datum

 

BewohnerIn

 

Angebot:

 

 

Angebot:

 

 

Angebot:

 

 

Frau a

 

 

 

Frau b

 

 

 

Frau c

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Handzeichen:

 

 

 

 

 

 

Anlage 2

 

 

Alten- und Pflegeheim

Wiblingen

 

 

                                                                                                                     

Monat/Jahr: ………………………………………………………..                                 Wohngruppe: …………………………….

 

 

Wochenplan vom ……………………. bis ………………………        

 

 

 

 

Montag

 

 

Dienstag

 

Mittwoch

 

Donnerstag

 

 

Freitag

 

Samstag

 

Sonntag

Vormittag

Vormittag

Vormittag

Vormittag

Vormittag

Vormittag

Vor-

mittag

 

Singen.

Wäschebearbeitung

 

 

 

 

 

Gottesdienst

 

 

Gymnastik

 

Zopf backen

 

Gottesdienst im Fernsehen

 

 

 

 

 

 

 

Nach-

mittag

Nach-

mittag

Nach-

mittag

Nach-

mittag

Nach-

mittag

Nach-

mittag

Nach-

mittag

 

Sturzprophylaxe

 

 

 

 

 

Kreatives Gestalten

 

Musik

 

Wäschebearbeitung

 

 

Sturzprophylaxe